Alrik Grauwasser (Schmuggler)
Mittwochsgruppe (Mittwochslegenden)
Alrik Grauwasser stammt aus den feuchten Randgebieten Nostrias.
Als Kind verlor er seine Eltern an Räuber, die im Nebel des Grauwassers zuschlugen. Ein Schlag traf auch ihn. Hart genug, um Erinnerungen auszulöschen, aber nicht sein kurzes Leben. Ohne Namen und Vergangenheit wurde er ins Waisenhaus gebracht, wo man ihn schlicht Alric nannte und ihm den Beinamen Grauwasser gab, zum Gedenken an den Ort seines Unglücks.
Sein ungleiches Augenpaar, eines grün, eines braun, machten ihn bald bekannt und so nennen ihn Leute bis heute nur Zweiblick.
In den Gassen und am Rand der Stadt lerne er früh, auf eigenen Beinen zu stehen. Was klein begann, ein unbeachteter Geldbeuten, eine heimlich weitergereichte Ware, wurde bald zu Schmugglerarbeiten. Von unscheinbaren Kleinigkeiten bis zu Schmuckstücken für die Söhne und Töchter des Adels.
In dieser Zeit entdeckte Zweiblick, auch das Talent für das Werfen von Messern. Eine Fähigkeit, die ihm Respekt verschaffte und nicht nur einmal das Leben rettete.
Zwischen Nebel, Handel und Halbwarheiten formte sich sein persönlicher Kodex: Keine Schuld blieb offen, kein Gefallen unerwidert, keine Information unbezahlt und unbeglichen.
Sein Glaube an Phexwar dabei weniger fromm als pragmatisch. Er betet nicht, er beobachtet. Für Zweiblick ist Phex kein Gott der Gebete, sondern der Gelegenheiten.
Eines Tages nahm Zweiblick einen Auftrag an, der sich zunächst nicht von anderen unterschied. Eine junge Frau, kaum älter als er selbst, sollte als Leibeigenen für einen Adligen in die Stadt geschmuggelt werden. Sie stammte aus Khunchom und sprach wenig, doch ihr Blick war wachsam. Am Abend, als sie fern der Wege kurz vor der Stadt lagerten, sass sie am Feuer und spielte mit einem Dolch, den sie verborgen gehalten hatte. Ruhig, elegant und mit einer Selbstveständlichekit, die Zweiblick nicht entging.
Schließlich bot sie ihm einen Handel an:
Er sollte sie freilassen und im Gegenzug würde sie ihm den Ayshara-Stil ihrer Heimat lehren.
Es war ein Angebot, dass er nicht ablehen konnte. Ob aus Notwendigkeit, aus Treue zu seinem Kodex oder wegen des Blicks in ihren Augen, wusste er selbst nicht.
In der Nähe fand ein Jahrmarkt satt und Zweiblick begleitete sie dorthin. Zum Abschied gab er ihr das Einzige von Wert, das er besaß. Ein Versprechen! Sollte sie jemals Hilfe brauchen, sollte sie nach Zweiblick im Waisenhaus Salznapf fragen.
Sie lächelte, küsste ihm zum Abschied und verschwand in der Menge. Zweiblick blieb zurück, mit dem Gefühl eine einzigartige Chance auf ein anderes Leben verpasst zu haben und einer Fähigkeit, die sein Talent, um ein vielfaches steigerte.
Die Folgen des Handelns ließen nicht lange auf sich warten. Der Adlige, um seine Ware gebracht, und sein Mittelsmann sorgten dafür, dass sich ein Gerücht in Nostria festsetzte: Es wäre besser, wenn Zweiblick tot wäre. Kein Steckbrief, kein öffentlicher Aufruf. Nur geflüsterte Worte, gezielt gestreut. Türen schlossen sich leiser als sonst und die Leute wussten nicht wie sie reagieren sollten, wenn sie Zweiblick sahen. Helfen, wegsehen oder dem Aufruf folgen.
So blieb Zweiblick nur eine Wahl:
Alrik Grauwasser machte sich auf den Weg nach Süden, wo sein Können mehr zähle, als sein Name.